Regine de Liedekerke-Pailhe

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Marriages and children

Notes

1 - Badische Zeitung, 25.08.2007

1.1 - Als der Zar beim Schlossherrn war

MARCH-HUGSTETTEN. "Das Haus ist sehr wohnlich und angenehm, ich sehe es schon als Privileg an, hier leben zu dürfen" , erklärt Franz Freiherr von Menzingen, der seit seiner Pensionierung 1996 Schlossherr im Hugstetter Schloss ist und mit Frau Anna Brigitte und Hund Akbar hier lebt. Die Geschichte der Hugstetter Herrschaft reicht weit zurück. Das sogenannte alte Schloss an der Dorfstraße, gegenüber dem Gutshof, diente schon der Buchheimer Familie von Stürtzel als Verwaltungsgebäude.

Heute wohnt hier ein bekannter Maler. Ende des 18. Jahrhunderts wurde Heinrich Ludwig von Schakmin, ein Lothringischer Adliger im Dienste der Habsburger, mit der Grundherrschaft in Hugstetten belehnt. Seine Tochter Sophie war das einzige Kind und sie wurde bald darauf mit dem aus Arlesheim geflüchteten Conrad von Andlau verheiratet. Der 1766 geborene Gouverneur des Bistums Basel wurde im Rahmen der Napoleonischen Säkularisation aus den schweizerischen Arlesheim vertrieben und kam so nach Hugstetten. Doch Conrad von Andlau-Birsek von Schakmin, wie er nun hieß, hatte beste Beziehungen und wurde Badischer Staatsminister. Er bekam ein Palais in Freiburg und baute sich als Sommersitz das Hugstetter Schloss. Rund 20 Zimmer auf drei Etagen hat das Haus, das kurz nach 1800 gebaut wurde. Leider, so Hausherr von Menzingen, existierten keinerlei Baupläne mehr für das recht einfach im klassizistischen Stil errichtete Gebäude. 1907 wurde es um ein großes Treppenhaus erweitert und 1996 generalsaniert. "Das Haus ist immer ein Familienwohnsitz gewesen" , erläutert Freiherr von Menzingen.

1.1.1 - Sogar der russische Zar war zu Besuch beim Schlossherrn
Regelmäßig kommen die fünf Enkel und 13 Urenkel zu Besuch. Im Saal finden Konzerte und Familienfeiern statt. Auch wenn selten Räume des Schlosses vermietet wurden, waren doch oft Soldaten einquartiert. Im Dezember des Jahres 1813 hatte Hausherr Conrad von Andlau den russischen Zaren Alexander in Freiburg für zwei Wochen zu Gast, währenddessen plünderten seine Soldaten das Hugstetter Schloss. Andlau hatte später auch großen Anteil daran, dass viele ehemalige habsburgische Gebiete nach der Säkularisation dem Badischen Staat zugeschlagen wurden. So unter anderem die Ländereien des Klosters St. Blasien. Aus Verärgerung hierüber habe der Württembergische Hof ein Attentat auf den Badischen Staatsminister geplant. Von Andlau bekam jedoch Wind davon — und so wurde nur eine Strohpuppe in seiner Kutsche ermordet. Andlau selber ritt zu Pferde von Paris nach Karlsruhe. Als er 1839 starb, hinterließ er zwei Söhne. Heinrich übernahm das Hugstetter Schloss. Aus nostalgischen Gefühlen zur alten Heimat in Arlesheim heraus hatte er schon einige Jahre früher damit angefangen, auf dem Anwesen einen englischen Garten anzulegen. Hierfür mussten einige Häuser weichen, auch das Gasthaus Rössle. Im Gegenzug entstand das Gasthaus zum Rothen Kreuz, das das Wappen derer von Andlau noch heute im Namen trägt. Die Familie engagierte sich zu der Zeit auch sehr sozial, sie gründeten und unterhielten zum Beispiel die erste Mädchenschule im damals rund 500 Einwohner zählenden Ort. Heinrich wiederum hatte aber nur eine Tochter. Sie wurde etwa um 1850 mit Hermann von Menzingen verheiratet. Als sichtbares Zeichen der Hochzeit wurde seinerzeit der heilige Antonius errichtet. Die Familie von Menzingen hatten über viele Generationen die Reichsritterschaft im gleichnamigen Ort im Kraichgau, war aber evangelisch. Hermann musste daher zum Katholizismus konvertieren. Die Familie bekam eine Tochter und zwei Söhne, die Anwesen im Kraichgau und in Hugstetten wurden unter den Söhnen aufgeteilt. Friedrich von Menzingen war fortan Schlossherr in Hugstetten. Nachdem seine erste Frau bei der Geburt des ersten Kindes starb, heiratete er ihre Cousine Regine, eine belgische Contesse. Die Familie bekam sieben Kinder. Einige von ihnen verunglückten, andere wurden Geistliche, so fiel das Erbe an den drittjüngsten, Rudolf. Der Vater des jetzigen Schlossherrn war im Auswärtigen Dienst tätig, fiel aber 1941 als Jagdflieger. Das Erbe an den ältesten Sohn Peter, der von seinem Onkel adoptiert wurde. Heute ist der älteste Sohn von Franz, Dominikus, Eigentümer des Hugstetter Schlosses.

Franz von Menzingen, der 1932 geboren wurde, hat hier ein lebenslanges Wohnrecht. Aufgewachsen ist der heutige Schlossherr in Istanbul, während des Zweiten Weltkrieges kehrte die Familie nach Hugstetten zurück. "Soldaten, die im Elsass kämpften, waren damals bei uns einquartiert" , erinnert sich von Menzingen. Dennoch hätten die Eltern seinerzeit heimlich BBC gehört. "Nach dem Bombenangriff auf Freiburg war das Haus dann voll mit Flüchtlingen, doch als Kinder hat uns das kaum gestört" . Seine Schulausbildung erfuhr von Menzingen in St. Blasien und nach dem Jurastudium in München und Heidelberg ging er 1957 in den Auswärtigen Dienst. Seine Frau Anna-Brigitte hatte er schon 1956 geheiratet— in Heidelberg hatte er seine Sandkastenfreundin aus Istanbul wiedergetroffen. Ihr Vater hatte dort vor dem Krieg das deutsche Krankenhaus geleitet. 39 Jahre war von Menzingen unter anderem als Botschafter in Sudan, Simbabwe, Kenia, Peru und Kolumbien. Heute ist er noch immer aktiv, so als Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienstes in Freiburg und als stellvertretender Ortsvorsteher von Hugstetten. "Insbesondere das Engagement im Ortschaftsrat hat mich wieder in die Dorfgemeinschaft reinwachsen lassen" , betont der Schlossherr.

Sources:
- person: march.de, varax.net

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