Max Dufner-Greif

Max Emil Dufner-Greif

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Max Dufner-Greif 1891-1968

Notes

1 - LEO BW, 07.01.2016

1.1 - Kurzbiografie

1891-1908 Kindheit in Schwetzingen, Bruchsal und Pforzheim, 7 Jahre Gymnasium in Freiburg i. Br.
1908-1911 Lehrerseminar Freiburg i. Br.
1911 Unterlehrer in Grötzingen (Amt Durlach), Hardheim (Amt Buchen), Rohrbach (Amt Sinsheim), 1912 Hilfslehrer in Heidelberg
1914 2. Dienstprüfung, Note „gut“
1914-1919 Kriegsdienst, Eisernes Kreuz I. und II. Klasse, Ritterkreuz vom Zähringer Löwen, Verwundetenabzeichen, mehrmals gasvergiftet, entlassen als Leutnant der Reserve und Bataillonsadjutant im Badischen Infanterieregiment 170
1919-1935 Hauptlehrer in Heidelberg
1925 Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Heidelberg gegen Dufner-Greif wegen Beleidigung des Staatsministeriums; keine Anklageerhebung
1934 Halbjährige Beurlaubung – unter Einbehaltung der Bezüge zur Verwaltung des Gaus Westmark des Reichsverbands deutscher Schriftsteller
1936 Versetzung nach Freiburg i. Br., Hansjakob-Schule
1939-1943 Kriegsdienst, „g. v. H.“, „infanteriedienstuntauglich“, Oberleutnant im Ersatzbataillon 454 in Lingen, 1943 wegen Wehrdienstbeschädigung aus der Wehrmacht entlassen
1943 Rektor in Freiburg
1944 Abordnung an die Lehrerbildungsanstalt Bad Rippoldsau, zeitweilige Abordnung an die Lehrerinnenbildungsanstalt Gengenbach
1945 Internierung in einem französischen Lager in Bad Rippoldsau
1946 Verlagsangestellter in Freiburg i. Br.
1949 Versetzung in den Ruhestand

1.2 - Biographie

Horst Ferdinand (Autor) Aus: Baden-Württembergische Biographien 2, 93-95

Dufner-Greif gehört jener Generation an, deren Schicksal es war, von dem Kaiser mit der „schimmernden Wehr“ in die Materialschlachten des Ersten Weltkriegs geschickt zu werden und danach die „Schmach von Versailles“ zu erleben. Als sich dann nach ungeliebtem republikanischen Zwischenspiel Hindenburg und Hitler am 21.3.1933 in Potsdam die Hand reichten und der „Gefreite des Ersten Weltkriegs“ mit einer Reihe von Völkerrechtsbrüchen – die aber von Dufner-Greifs Generation eher als Befreiungsschläge angesehen wurden – diese Schmach vermeintlich tilgte, sahen viele der Frontkämpfergeneration ihren Platz in der neu entstehenden „Volksgemeinschaft“, ohne zu erkennen, daß Hitlers Weg letztendlich nur wieder in Krieg und Katastrophe enden würde. Man muß wohl den Raster dieser Ereignisse zugrundelegen, wenn man eine Persönlichkeit wie Dufner-Greif als Angehörigen jener Generation, die zwei Weltkriege und zwei Inflationen, das „Dritte Reich“ und die Katastrophe des Jahres 1945 mit der folgenden Notzeit durchzustehen hatte, einigermaßen objektiv schildern will. Das heißt aber nicht, daß der von dieser Generation selbst verursachte Anteil am Ablauf der geschilderten Ereignisse bagatellisiert werden soll; danach wird sich auch ein in Baden zeitweise bekannter Schriftsteller wie Dufner-Greif fragen lassen müssen. Er hat die Aufgabe des Biographen dadurch vereinfacht, daß er in einer Selbstbiographie (Literatur) im Jahre 1935 verfügt hat, wie seine „Wesensströme“ gesehen werden müssen, wenn man seine Geisteshaltung verstehen will. Er nennt drei solcher Ströme: den „Durchbruch des Dichterischen als ersten Schicksalsgesetzes“ seines Lebens, das Soldatische, näherhin das „preußische Soldatentum“, und drittens das Politische, das in ihm „erwacht“ sei, als er im Jahre 1925 in einem Zeitungsartikel auf die „Beziehungen badischer Politiker zum rheinischen Separatismus“ hingewiesen und dann ein halbes Jahr unter „Strafverfolgung“ gelitten habe. Diesen seinen „politischen Geisteswillen“ habe er in vielen Artikeln im „Führer“, dem Karlsruher NS-Blatt, dargestellt. Dufner-Greifs Lebensweg: Nach dreijähriger Lehrtätigkeit das Front- und Kameradschaftserlebnis des Ersten Weltkriegs, im März 1919 Entlassung und Wiederaufnahme des pädagogischen Berufs in Heidelberg, 1936 Versetzung nach Freiburg. In diesen Jahren in rascher Folge Produktion mehrerer Bücher und vieler Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätze. 1939 wieder Offizier, 1943 nach schwerer Erkrankung an der Ostfront Entlassung aus dem Wehrdienst, Beförderung zum Rektor und Abordnung zu Lehrerbildungsanstalten. Kurz nach Kriegsende wird Dufner-Greif nach einem Sabotageakt von der Besatzungsmacht als Geisel verhaftet und in ein französisches Lager verbracht, die Ergreifung des wirklichen Täters rettet ihn vor dem Erschießungspeloton. Schwere Zwangsarbeit in einem Steinbruch am Kniebis und in einer Autoreparaturwerkstätte des französischen Militärs erschüttern seine schon ramponierte Gesundheit. Bei der Rückkehr nach Freiburg wird er als Straßenfeger zwangsverpflichtet und fristet unter kümmerlichsten Verhältnissen, als Hilfsangestellter beim Vertrieb der „Gegenwart“, sein Dasein, ehe er 1949, in einem Spruchkammerverfahren als „Minderbelasteter“ befunden, unter Rückstufung zum Hauptlehrer pensioniert wird. Es ist zu befürchten, daß Dufner-Greif, der für sein politisches Engagement schwer büßen mußte und nach eigenem Zeugnis „den Lügen der Partei zu lange gläubig vertraut“ hat, die eigentlichen Gründe der Katastrophe des Jahres 1945 nicht erkannt hat; wie anders hätte er sonst vor der Spruchkammer erklären können, daß das „Deutsche Volk in einen Kampf auf Leben und Tod“ gestürzt worden sei, „nachdem alle Bemühungen um Abrüstung oder Verständigung durch unversöhnliche Weltmachtpolitik vereitelt worden waren“? Unter dem Eindruck des „Tages von Potsdam“ war er der NSDAP beigetreten, war auch zeitweilig Vorsitzender des Reichsverbands deutscher Schriftsteller in Baden, aber als dieser in die Reichsschrifttumskammer überführt wurde, trat Dufner-Greif aus und fiel damit bei den badischen Parteispitzen in Ungnade, obwohl er vom Sicherheitsdienst als „politisch unbedingt zuverlässige Persönlichkeit“ bewertet worden war: „Dem Judentum war er schon immer ein verschworener Gegner.“ Aber parteioffizielle Aufträge erhielt er nicht mehr, und von Literaturpreisen war nicht die Rede. In dem Gedichtwerk Dufner-Greifs – der aus enger Verbundenheit mit seiner Heimat das badische Wappentier, den Greif, jenes sonderbare Fabelwesen aus Löwe und Adler, als Namenszusatz wählte – findet W. Oeftering (Literatur) „männliche Stoßkraft und volkserzieherischen Willen“; wir möchten demgegenüber nur den erzählerischen Teil des partiell beachtlichen Gesamtwerks für überlebenswert halten. Dufner-Greif ist ein überaus kenntnisreicher, gemütvoller und gewandter Anekdoten-, Legenden- und Lebensgeschichtenerzähler, und auf diesem Gebiet hat er wohl sein Bestes gegeben. Von der „Sendung der Alemannen“ – „Gott erscheint uns allein im Deutschen!“ – wollen wir heute nichts mehr wissen, und das gilt auch für die kriegerischen Visionen (Sommer 1939) Dufner-Greifs in seiner Burte-Biographie: „Der Schreiber dieses Buchs“ (Dufner-Greif) sieht sich, „wenn es in der Landschaft am Oberrhein blitzt und kracht, knapp und herrisch den Patronenstreifen in die Gewehrkammer stoßen ...“ So unterhaltsam Dufner-Greifs Sprache in seinen Erzählungen dahinfließt, wenn der Sprachfluß in den ideologischen „Wesensstrom“ mündet, wird er unerträglich bombastisch-pathetisch: Dufner-Greif spricht dann vom „gepanzerten Erz des erhabenen Führertums“, vom „unbedingten Glauben an das Gottesgnadenrecht der Gewalt im Führerstaat“, und der preußische Adler hält dann „das Hakenkreuz in seinen wehrhaften Fängen“ – Tempi passati.

Sources:
- person: leo-bw.de

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