Benedikt Kunz

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Marriages and children

Notes

1 - Ortsfamilienbuch Eichstetten

Aus Studen BE/CH. Krämer. Landesvisitation 1717: Beschwert sich über das Hausieren der Savoyarden. Huldigung 1738. Lit.: Issel, Eichstetten, 85. Beim Tod 1745: "Der Dorfprophet". Lit.: Pfaff, Friedrich: Wahrsager Kunz zu Eichstetten im Breisgau, in: Alemannia Jg. 41 (1913), S. 109-110.

2 - Dorfheimat, 1908

2.1 - Der Dorfprophet von Eichstetten

Aus Issel: Eichstetten am Kaiserstuhl einst und jetzt

Im 18. Jahrhundert lebte in Eichstetten ein merkwürdiger Mann. Es ist der noch heute den alten Leuten aus der Dorfüberlieferung bekannte Dorfprophet Benedikt Kunz. Er war, da Pfarrer Gebhard nach Kunzens Tod am 5. Juni 1745 sein Alter mit 63 Jahren weniger drei Wochen berechnete, wohl am 26. Juni 1682 geboren und zwar in dem schweizerischen Dorf Stauden, Vogtei und Grafschaft Nidau, Kanton Bern. Wie aus seinen – noch in den Händen des Konditors Moritz befindlichen – Militärabschied ersichtlich ist, hat er 15 Jahre acht Monate in Freiburg in dem kaiserlichen königlichen österreichischen Regiment Erlach unter Oberwachtmeister Sigmund von Wattenwyl gedient und sich tapfer und getreu gehalten. Nachdem er am 20. Oktober 1707 seinen Abschied genommen hatte, ließ er sich in Eichstetten nieder, wo er sich verheiratete und einen Hausierhandel mit Ellenwaren, Tabak, Branntwein und Schwefelhölzchen anfing. Daneben hatte er eine Liebhaberei für Wappenkunde, in die er viel hineingeheimnisste. Aus dem Wappenbildern und Farben suchte er politische Aufschlüsse. Da er mit Aufmerksamkeit die Zeitereignisse verfolgte und offenbar ein aufgeweckter Kopf war, so machte er über die mutmaßlichen politischen Entwicklungen treffende Bemerkungen. Für seinen Scharfsinn ist bezeichnend, dass, während allgemein im Oberland die Politik Friedrichs des Großen von Preußen, dessen Anfänge Kunz erlebte, gehasst wurde, Kunz in ihm den Mann der Zukunft sah. Er soll geweissagt haben, Österreich werde die Kaiserwürde verlieren. Glückliche Zeiten werden kommen unter dem ”Friedrich Schlechtweg”. Er soll im Blick auf den Luxus seiner Tage von einer Zeit geredet haben, da die Weiber mit Stroh Prunk treiben, was man später auf die zuerst mit Strohbändern versehenen Krinolinen deutete. Die Weiber werden ihren Verstand hoch ausbilden, aber alle Zucht und Ehrbarkeit verlieren.

Der aus Bötzingen stammende Hofkammerrat Enderlin hat später, was er aus dem Mund seiner Mutter über Kunz erfahren konnte, zusammengeschrieben. Man merkt der Form dieser Aufzeichnungen sehr an, dass sie ihre Gestalt erst, nachdem die geweissagten Ereignisse eingetreten waren, bekamen, und also der Wirklichkeit angepasst wurden. Pfarrer Kern veröffentlichte in der “Konservativen Zeitschrift für Stadt und Land” 1901 diese Dinge.

Einige Stücklein von Kunz seien erzählt. Er habe sowohl den Tod mancher Personen vorausgesagt, als auch zwei Jahre vor seinem Ende die Zeit seines Todes richtig bestimmt, ja sogar auf dem Gottesacker die Stelle, wohin er zu liegen komme, wenn der Reihe nach fortgefahren wird, bezeichnet. Dem Pfarrer Gebhard habe er es gesagt, und da wenige Tage vor seinem Tod die nötige Zahl der Gräber noch nicht da gewesen sei, seien noch in den letzten Tagen so viel Personen gestorben, als erforderlich waren, die Weissagung von Kunz war zu machen. Allein in der letzten Zeit vor Kunzens Tod sind keine Erwachsene gestorben, woraus hervorgeht, dass die Geschichte nur eine Erfindung ist. Enderlins Bericht teilt mit, dass wenn seine Aussagen bezweifelt wurden, Kunz sie mit den Worten beteuert habe: “I sag’s un der Mann sait’s”. Der Mann ist als Offenbarungsmittler zu denken. Kunz sei in seiner Bibel wohl bewandert gewesen. Das Buch befindet sich noch bei Konditor Moritz. Es ist ein Foliant mit Luthers Leben und dem Augsburgischen Bekenntnis. Außer der Bibel war der Kalender sein Lesestoff. Leute, die ihm nachts nachschlichen, sahen nur, dass er auf dem Hügel betete.

Man erzählt von ihm unter anderem: Als beim Kirchgang einer der Gemeinderäte schlecht aussah, habe er seine Frau gerufen und ihr mit Hinweis auf den betreffenden gesagt: “Siehsch nüt?” Auf ihre Verneinung habe er geantwortet: “Siehsch nüt, daß eim der Tod zu de Auge ufe lugt?” Der Mann sei noch am selben Tag gestorben.

Dem Förster Limberger, den Kunz in Theningen traf, und der davon sprach, er wolle sich beim Fürsten wegen einer Sache beschweren, habe Kunz gesagt: “Wän Ihr mit ‘m Markgrafen no rede wän, so hän Ihr kum no acht Dag Zit.” Der Förster fürchtete, er müsse sterben; aber nach 8 Tagen kam die Nachricht vom Tod des Markgrafen Karl Wilhelm 1738.

Ebenso habe er auf acht Tage den Tod Kaiser Karls VI., 1740 für denselben Winter den Tod der Kaiserin Anna von Russland und des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen vorausgesagt, die Ortssage erzählt, ein Ehepaar im Oberdorf habe nach langer Kinderlosigkeit einen Knaben bekommen. Als die Magd nachts bei Kunz Kaffee und Zucker holte, habe er nach einem Blick zu den Sternen gesagt, die Eltern sollten keine so große Freude haben, das Kind werde, bevor es 16 Jahre alt sei, aufgehängt. Der Knabe habe später französischen Marodeuren die Plätze, wo Geld verborgen war, verraten, sei erwischt und von wütenden Bauern aufgeknüpft worden. Im Totenbuch aber findet sich gar keine Nachricht über ein gewaltsamer Weise gestorbenes Kind.

Als der Lehrer, Kunzens Nachbar, Tod gemeldet wurde, habe Kunz gesagt, das sei nicht richtig, der Lehrer müsste ihm zuerst zur Leiche singen. Als der Schreiner den in Todesstarre liegenden in den Totenbaum habe legen wollen, habe der bisher im Starrkrampf regungslose Lebenszeichen gegeben, er sei gesund geworden und habe bei Kunzens Beerdigung gesungen.

Um die sich an die Person dieses Mannes haftenden Volkssagen zu verstehen, muss man wissen, dass er in der Zeit des Hexenwahns und der Sterndeuterei lebte, in einer Zeit, da man glaubte, man könne das Schicksal der Menschen und der Welt aus dem Stand der Gestirne erkennen.

Sources:
- person, marriage: OFB Eichstetten

Note: Missing data can be supplemented and incorrect data corrected, please contact Geneee.